Das Kindertraining

Ursprünglich begann die Ausbildung eines Samurai mit ca. 4 Jahren. Alte Aufzeichnungen bestätigen, dass die Ausbildung von Kindern in "Akademie"-ähnlichen Einrichtungen stattfanden. Der Unterricht gliederte sich einerseits in Unterricht der Allgemeinbildung, (dabei ist aber unbedingt zu berücksichtigen, dass vor ein paar hundert Jahren darunter etwas anderes verstanden wurde), wie z.B.: Dichtung, Lesen, Kalligraphie, Strategie, Philosophie und andererseits in körperliches Training.
Der Zugang zu diesen "Akademien" war wiederum nur der höheren Klasse ("bugei") zugänglich. Kinder von Bauern und Händlern wurden schon damals mehr zum Broterwerb benötigt, als das diese 10-12 Jahre von zu Hause weg sein konnten um Bujutsu zu lernen.
Daraus ergibt sich eine wichtige logische Folge, welche meist unberücksichtigt bleibt, aber fundamental für das Verständnis des Trainings mit Kindern ist.

Diese Kinder, später dann Jugendliche, begannen ihr Training mit der EINSTELLUNG, diese Ausbildung, aus Ermangelung an Alternativen, erfolgreich zu beenden! Die Kinder wurden weiters indoktriniert, erfolgreich zu sein, da das Gegenteil den Ruf der Familie, des Clans schaden konnte.
Diese Einstellung gibt es auch heute noch in abgeschwächter Form in Japan, demnach Kinder im Kindergarten, in den Volksschulen unter der Rubrik der "Abhärtung" körperliche und geistige Anstrengungen über sich ergehen lassen müssen, um den notwendigen "Biss" zu bekommen.
Die angesprochene logische Konsequenz ist, dass schon mit dem Eintritt des Kindes in diese Akademien, das gesamte weitere Leben, als Samurai, als Krieger, als Diener des Herren, unabänderlich festgelegt war. Wichtig ist aber dennoch auch darauf hinzuweisen, dass diese Art der Einrichtungen auch in Europa vorhanden waren, hier nannte man diese eben Militärakademien und auch hier wurden nur höher gestellten Familien Zugang gewährt.
Ein großer Unterschied zu Japan lag also auch damals nicht vor.

Das Kindertraining des Bujutsu im Budo Institut hat weder derlei Vorstellungen noch Ziele. Niemand muss zum Japaner mutieren, noch wird der junge Mensch in seiner Entwicklung durch geistige Grenzen, welche diese damaligen Akademien aufbauten, in seiner Entwicklung gehemmt. (Es gibt z.B.: Berichte, dass im feudalen Japan bestimmte Bücher und Schriften, zumeist philosophischer Natur, den jungen Samurai verwehrt blieben, mit dem definierten Hintergrund, diese Kinder und Jugenliche nicht auf "falsche" Gedanken zu bringen. Philosophische Schriften deshalb, da die ZEN Philosophie die geistige und körperliche Befreiung des Menschen propagierte. Ganz klar warum dies nicht gerne gesehen wurde, wäre doch jede sinnlose Hingabe des Lebens, welche zu Hauf vorkamen, ad absurdum geführt).

Das Kindertraining des Bujutsu im Institut Wolkenstein nimmt auf folgende grundlegende Voraussetzungen der westlichen Kultur Rücksicht und baut darauf auf:

  • den Errungenschaften der Grundrechte von persönlicher und geistiger Freiheit
  • der dem europäischen Menschen innewohnende Geist des Friedens
  • der philosophischen Erkenntnis der Ratio
  • der Erkenntnis der Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann

Die Kinder erarbeiten in folgender Reihenfolge auf spielerische Art und Weise:
Körpergefühl - daraus folgend persönliche Einschätzung ihrer selbst - Erkennen der Folgen persönlichen Handelns - stringente Argumentation  bei der Beantwortung daraus entstehender Fragen - Kontakt mit der Welt der Meditation
Wie oft missverstanden ersetzt Kindertraining NICHT die Erziehungspflicht der Eltern. Bujutsu ist weder Körpererziehung noch geistige Erziehung, da Erziehung IMMER mit Transformation persönlicher Wertvorstellungen zu tun hat, welche, gemäß der ZEN Philosophie, dem Meister (Lehrer) in KEINSTER Weise zusteht.
Bujutsu ist prinzipiell ein tief persönlicher Weg desjenigen, der es betreibt und NICHT der Weg anderer. Es soll daher niemand, ob Kind oder Erwachsener, seine Begründung des Trainings auf außerpersönliche Umstände stützen, sondern rein auf den eigenen Wunsch. Diese Entscheidung ist Voraussetzung für erfolgreiches Bujutsu-Training.
Ich weise daher ausdrücklich darauf hin, dass Kinder, welche weder Freude noch Eigeninteresse am Bujutsu Training zeigen, daran nicht teilnehmen sollten.

Zu Beginn des Kindertraining steht Körpergefühl im Vordergrund.
Im Kindertraining werden daher KEINE Waffen unterrichtet. Erst als Jugendlicher, im regulären Training, werden auch Waffen und deren Gebrauch vermittelt. Daraus resultiert, das Aikijutsu und Kenpo die Disziplinen sind, welche erarbeitet werden. Ausrüstung ist daher: Trainingsgewand (im Institut Wolkenstein erhältlich.)
Die Trainingszeiten entnehmen Sie bitte dem Trainingsplan.

Die Anmeldung der Kinder muss aus rechtlichen Gründen von deren Vormund unterzeichnet werden!!