Batto Giri - Das reale Schneiden
Hier wird mit scharfer Waffe geübt.
Diese Training beginnt zwar erst ab höherem Niveau stellt aber nicht das Ende der Disziplin dar. Batto Giri ist ein weiterer Erfahrungsbereich. Fingerfertigkeit mit der Waffe und ein gutes Distanzgefühl sind Voraussetzung.
Prinzipiell ist es keine Kunst mit einem scharfen Schwert in Wasser getränkte Strohmatten zu durchschneiden. Ich könnte Ihnen dies in zwei Minuten beibringen.
Darum geht es NICHT in dieser Disziplin.
Batto Giri zählt zu der Gruppe der Koryu Techniken. Dies sind die alten(= KO) , am Schlachtfeld erprobten Techniken (=RYU). Wir befinden uns sehr nahe an der Realität also auf dem Schlachtfeld, oder in einem Zweikampf.
Und DARUM geht es in dieser Disziplin.
Es geht darum in seiner Vorstellungskraft, seinen Geist auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Waffe ist gefährlich, sehr sogar und der Übende kann sich selbst sehr schwer verletzen. Persönliche Reife, Ruhe und Gelassenheit aber auch Zielstrebigkeit und Durchsetzungskraft sind Voraussetzungen um in dieser Disziplin weiter zu lernen.
Das Schneiden soll die Sinne schärfen. Der Geist soll werden wie scharfer Stahl. Der Körper soll weich werden wie eine Feder. ZEN.
Einerseits geht hier also um Spiritualität.
Die Schlacht die der Übende mit der Matte austrägt ist seine persönliche. Batto Giri kann daher nur von Leuten ausgeübt werden, die durch das jahrelange vorangegangene Training tief in ihr Innerstes eingedrungen sind.
Die Selbstreflexion und Erkenntnis besitzen.
Von Menschen, die sich im Griff haben. Ein Funke von Zorn kann ihnen den Finger kosten. Der Übende ist mit der Strohmatte alleine. Der Lehrer tritt in den Hintergrund.
Wie es eben in der Schlacht früher war. In einer Schlacht war der Samurai alleine. Der Lehrer, die Familie, die Freunde sind im Kampf Mann gegen Mann, auf Leben und tot, nicht da um zu helfen.
Wie fühlt man sich da?
Was geht in einem vor?
Wie beherrscht man seine Angst?
Daher versteht es sich von selbst, dass diese Übung erst bei weit Fortgeschrittenen sinnvoll ist. Da das Schneiden der Strohmatten rein technisch nicht sehr anspruchsvoll ist, wird leider viel zu oft geglaubt, junge, unerfahrene Schüler könnten dies auch schon lernen. Das ist falsch.
Es geht nämlich auch um die technische Umsetzung der in der Schwertkunst gelernten Prinzipien des Kampfes. Die "Maki" (in Wasser getränkte Strohrolle) stellt den Gegner im Kampf dar.
Im Batto Giri wird nun ein Angriff seitens des Gegners angenommen, der auf dementsprechende Weise gekontert werden muss. Dabei ist wichtig den Blick für die Realität zu bewahren.
Durch genügend Selbsterkenntnis und Empathie versteht der Übende seine Konterattacken.
Im Batto Giri kommen also die Erkenntnisse aus Iaijutsu und Kenjutsu zusammen und werden erstmals gemeinsam umgesetzt.
Wie leider oft im Westen missverstanden geht es nicht darum, so und so viele Schnitte in einer bestimmten Zeit zu absolvieren. Das ist, vom Standpunkt des wahren Kampfes sinnlos, da niemand im Schwertkampf auf einem Platz verweilt, um sich zehn mal schneiden zu lassen. Es geht auch nicht darum die kompliziertesten Schnittfolgen zu meistern, da man immer auch das Schwert des Gegners bei seinem Angriff berücksichtigen muss.
Niemand läßt sich ohne Schutz mit einem Schwert angreifen!