Takeda Ryu Kenjutsu
Das Schwertfechten.
Alle vier Prinzipien können nun umgesetzt werden. Kenjutsu führt die Einzelteile zu einem großen Ganzen zusammen.
Hier wird die unmittelbare Auseinandersetzung am Schlachtfeld angenommen. Das Schwert, als gefährlichste Waffe, steht im Mittelpunkt dieser Disziplin.
Trainiert wird vorerst mit Holzschwertern. Die Möglichkeiten im Umgang mit dieser Waffe werden ausgelotet. Der Trainierende bekommt einen Einblick in die grundlegenden Strategien des Schwertkampfes.
Die Ausbildung der Aufmerksamkeit, des Raumverständnisses und der Reaktion stehen im Vordergrund.
Die Ziele sind denen des Jukempo sehr ähnlich, aber eben unter dem Aspekt der Benutzung einer Waffe.
Soke Nakamura berichtet von Schlachten, bei denen selten mehr als drei bis vier Kontakte zwischen zwei Schwertern stattfanden, da diese danach entweder zerbrochen, oder verbogen waren und damit keinen weiteren Nutzen hatten.
Trat dieser eher unbefriedigende Umstand ein, konnte der Samurai eben auf die anderen Disziplinen des Bujutsu (Aikijutsu, Jukempo oder, falls ein Stock vorhanden, auf Jojutsu) zurückgreifen, womit sich der Kreis des Bujutsu schließt.
Dies war das eigentliche Ziel der Unterteilung des Bujutsu in Disziplinen. Über ein Arsenal an Möglichkeiten zu verfügen, welches im Ernstfall allen Gefahren entgegen wirken kann.
Auch im Kenjutsu gibt es logischerweise den Wettkampf als Lernmöglichkeit, um Erfahrungen zu oben beschriebenen Situationen zu machen.
Es gab nie Schwertkämpfe, die über Minuten, geschweige den Stunden gingen, sondern sich in Bruchteilen von Sekunden entschieden, sei es nun mit dem Schwert, oder ohne.
Der Wettkampf im Kenjutsu wird mit dem sogenannten "Shinai", ein mit Stoff überzogenenes Bambusschwert, und ohne Rüstung bzw. Schutz ausgeführt. Jeder kann sich schon beim Zusehen vorstellen, wie sich die Wettkämpfer dabei fühlen. Diese Erfahrungen sind grundsätzlich für das Verständnis des Bujutsu mit seinen physischen, psychischen und geistigen Anforderungen.
Kenjutsu lehrt am intensivsten den strategischen Umgang in Kampfsituationen. Ich selbst bin immer wieder erstaunt über die Mannigfaltigkeit der Möglichkeiten, wenn mich Toyoshima sensei in Kenjutsu unterrichtet. Strategien für den Angriff die Verteidigung die im Kenjutsu gelehrt werden finden ihre Anwendgung ebenfalls im Batto Giri, dem Schneiden mit scharfer Waffe.
Auch hier hat sich in Europa der Trend zu einer Wettkampfsportart entwickelt in der junge Schüler wie wild mit Bambusschwertern aufeinander einprügeln. Zumal im Takeda Ryu Kenjutsu keine Schutzausrüstung getragen wird und diese Kämpfe zu Verletzungen führen können.
Von Strategie ist dabei nicht viel zu sehen.
Aufgrund der Gefährlichkeit der Waffe wird im Kenjutsu ausnahmslos versucht so wenig als möglich Kontakt mit der Waffe des Gegners herzustellen, welchem das aufeinander eindreschen widerspricht.
Ruhe und Gelassenheit sowie strategisches Vorgehen sind gefragt und bilden das Hauptziel dieser Disziplin.