Takeda Ryu Bujutsu Ido

Bujutsu Ido ist Teil der Geheimlehre aller traditionellen Kampfkünste. Zur Zeit der großen Kriege in Japan (Sengoku-Ära) waren die Einflüsse aus China sehr stark. Diese beinhalteten vor allem die Bereiche der Kriegsstrategie und eben auch der Medizin. Die Partei, welche schneller und effektiver ihre verletzten Soldaten für die Schlacht kampfbereit machte, konnte den Sieg eher erringen. Verschiedenste Techniken und Methoden kamen zum Einsatz.

In der Takeda Ryu Nakamura Ha sind die Methoden direkt aus der chinesischen Medizin entnommen. Soke Nakamura, momentanes Oberhaupt, hat noch von seinem Meister zum Beispiel die alten Techniken des "Bone settings" gelernt. 
Ein weiterer Grund warum Bujutsu Ido zur Geheimlehre gehört ist die direkte Verknüpfung mit dem Aiki no Jutsu. Niemand in Europa wurde jemals in diesem Teil der traditionellen Kampfkünste unterrichtet, egal um welche Schule es sich dabei handelt. Dieses Wissen wurde bis dato nur an Japaner weitergegeben.

Warum ist das so?

Die ursprüngliche Lehre der chinesischen Medizin mitsamt den Meridianen und den damit verbundenen Behandlungsmethoden, sowie auch Kräuterkunde und Ernährungslehre sind heute im Westen fast niemandem geläufig. Das klingt anmßend ist aber im Verständnis der Japaner leicht erklärbar. Wie im Bujutsu an sich steht und fällt der Wissensgrad mit der Dauer der Anwendung. Je länger und intensiver jemand Bujutsu betreibt, desto tiefer dringt dieser in die Materie ein. Es ist dies daher eine Zeit und Anwendungsabhängige Ausbildung. 

Was nutzt es von Meridianen und "Kyushos" (Äquivalent zu Akupunkturpunkten) zu reden, wenn Sie keine körperliche Erfahrung mit dem Ki (chin. Qi haben)?

Toyoshima sensei teilte mir bei einem seiner privaten Trainings mit, dass nach mehr als 35 Jahren Training und Unterricht er Takeda Ryu Nakamura Ha mehr als eine Wissenschaft als eine Kampfkunst betrachtet. Damit ist wohl am besten der Zugang zum Bujutsu Ido erklärt. 
Als Okuden Shihan (Meister der geheimen Ebene) wird die Ausbildung im Bereich Kyushos, Atemi und dergleichen abgeschlossen. D.h. der Meister verfügt über das gesamte Wissen der Körperpunkte und Linien, welche für das Bujutsu wichtig sind. Erfahren hat er diese aber noch nicht. Dies beginnt der Meister nun beim Unterricht unbemerkt einfließen zu lassen. So lange bis er sich auch in diesem Bereich sicher ist. Und erst DANACH wird der Meister vom Soke in die Heilmethodik eingeführt. 
Weil bis dato kein einziger Europäer, welcher traditionellen japanischen Schule dieser auch angehört, einen so langen Zeitraum bei einem Meister gelernt hat, gibt es niemanden im Westen der dieses Wissen besitzt. 

Es macht daher gar keinen Sinn dem Schüler etwaige medizinische Techniken zu zeigen. 
Wie Toyoshima sensei regelmäßig zu mir im Training sagt:

"Now you know the technique I told you but it will take a long time to understand it."

Wenn Sie wissen wie etwas geht, können Sie es noch lange nicht. 
Ich hoffe, dass ich eines Tages so weit komme, diese letzte Disziplin zu erlernen.

Für unsere Schule ist noch interessant anzumerken, dass es Matsushita sensei war, der gemeinsam mit Soke Nakamura eine Angleichung der Techniken auf das medizinische Niveau des 20 Jhd. vornahm. Laut Toyoshima senseis Aussagen waren die Techniken von Soke effizient, aber mit langer Rekonvaleszenz verbunden. Matsushita sensei, ausgebildeter Mediziner in westlicher Medizin und seit 3 Jahrzehnten ebenfalls Meister in "Kampo" ( jap. Äquivalent zur T.C.M.), hat daher neueste Erkenntnisse einfließen lassen.

Zum Abschluss möchte ich ihnen noch eine kurze Begebenheit erzählen, welche für mich am besten illustriert was Meister vermögen und wie damit im Westen umgegangen wird.
Es war das Jahr 1997 bei einem Soke Seminar in Wien. Ein Trainingskollege hatte sich nach einem Schulterwurf seinen linken Knöchel einmal um 360 Grad verdreht und dieser stand in unnatürlicher Haltung nach hinten weg. Matsushita sensei assistiert von Soke und Toyoshima sensei bearbeiteten nun bis zum Eintreffen der Ambulanz diesen Knöchel.
Matsushita sensei begleitete den Patienten mit der Ambulanz mit in das nächste Krankenhaus. Dort wurde der Knöchel geröntgt. Der Patient hatte Glück, es war zwar der Knochen gebrochen, aber keine der Bänder gerissen. Die Ärzte im Krankenhaus waren überrascht über das perfekt eingerichtete Bein. Der Knochen war nahtlos auf den anderen gesetzt. Und die Bänder waren in ihrer Ursprungslage. Das Werk Matsushita senseis. 

Was dann geschah machte Matsushita sensei fassungslos. In Japan hätte man dem Patienten nun einen Gips gegeben und nach 6-8 Wochen wäre dieser wieder fähig zum Training gewesen. Selbst nach Intervention im Krankenhaus durch Matsushita sensei, der die Tragweite der folgenden Entscheidung als Mediziner abschätzten konnte, wurde dieser Knöchel dennoch operiert. Es sei eben die vorgeschriebene Vorgehensweise. Dieser Knöchel gehörte verschraubt. 
Mit dem Effekt, dass die Rekonvaleszenz 6 Monate dauert und der Kollege das Training für immer einstellen musste, da er nach wie vor Schmerzen beim Training verspürte.

Es wäre schön, wenn das Fremde von uns nicht so gefürchtet sondern mehr geschätzt würde. Das Lernen von anderen Menschen sollte immer im Vordergrund stehen und nicht das Verteidigen seines eigenen Status. 

Eine kurze Erklärung finden Sie hier.