"Neue" wissenschaftliche Erkenntnis

Die Samurai und  Mönche des Zen haben es schon immer gewusst. Meditieren bildet. Also nicht in dem Maße wie wir im Westen Bildung verstehen, aber in jedem Fall bildet Meditation in Verbindung mit Bewegung neue Hirnzellen aus. Bisher dachte die Wissenschaft, der Mensch erblicke mit einer limitierten Anzahl von Gehirnzellen das Licht der Welt. Im Laufe des Lebens verschwinden dann immer mehr, bis hin zum Vorhandensein geringster Mengen an Hirnzellen, was mit Alzheimer und ähnlichen Krankheiten gleich zu setzen ist.
Aber weit gefehlt.
Das Prinzip des Bujutsu sowie des Zen hat immer schon die Erkenntnis beinhaltet, dass der Weg des Meisters ein stetig steigender ist und auch im Alter anhält. Diese bis dato als naiv abgetane Einstellung bekommt nun dramatischen Zuspruch.

Amerikanische Forscher haben nun herausgefunden, dass Meditation und Bewegung Neuronen im Hippocampus zum wachsen bringt. Ergo es werden neue Gehirnzellen gebildet. Das Dogma der limitierten Anzahl von Neuronen ist gefallen. Ebenfalls wurde festgestellt, dass Meditation an sich ein Akt des Tuns und nicht ein Akt des Nichts-Tuns ist, es ist ein Gehirntraining. Wie das? Bei einem Mönch mit mehr als 10 000 Stunden Meditation ( Rechnen Sie sich das mal aus, mit ca. 6 – 8 Stunden täglicher Meditation), wurden die Hirnströme gemessen. Anstatt Alpha-Wellen, welche in einem Schlaf- oder Traumzustand auftreten würden, maß man Gamma Wellen. Gamma Wellen sind in Indiz für erhöhte Aufmerksamkeit und Geistesgegenwärtigkeit. Also Aktivität und nicht Passivität.

Andere Forscher wiederum fanden heraus, dass die bloße Vorstellung an körperlicher Aktion ebenfalls dazu führt, dass in den speziellen Hirnregionen Synapsen (Verbindungsknoten) gebildet werden. Menschen zum Beispiel die aufgrund einer Behinderung nur mehr mit im Rollstuhl sitzen konnten, bildeten bei Meditation und Konzentration, welche auf Bewegung ausgerichtet war, Synapsen in der Hirnregion aus, welche für das Gehen zuständig war. (Mit diesem Gedanken arbeitet auch die Bewegungstherapie „Feldenkrais“)

All diese Prinzipien sind schon seit jeher im Bujutsu bekannt. Der Schüler soll sowohl durch körperliche und geistige Repetition der Bewegungen seinen Fortschritt erhöhen. Das Leben eines Samurai war immer auf Handlung gerichtet. Bloßes Da-Sitzen und die Wand-anstarren waren nie die Intention. Man nennt dies das „Geheimnis der Praxis“. Natürlich haben Sie auch Samurai im Lotos-Sitz vertieft und meditiert. Aber nicht um eine Gottheit anzubeten oder Vordergründig die Erleuchtung zu erlangen. Nein, es wurde über die Aktion in der Schlacht, über dieses oder jenes Musikstück, oder sonst eine AKTION meditiert. Nun wissen wir, dass dadurch ebenfalls die Synapsen im Hirn gefördert werden. Damit haben die Samurai sowohl im Sitzen als auch in körperlicher Praxis trainiert. Sie haben quasi IMMER trainiert. Im japanischen heißt dies „Zanshin“.  Zanshin ist eine Geistes und Körperhaltung.

Im Zen ist es genau dasselbe. Das wichtigste zu lernen ist Konzentration. Daher beginnen die meisten Schulen mit Atemübungen. Dadurch soll ihre Konzentrationsfähigkeit trainiert werden. Es geht also „nur“ um die pure Konzentration. Ist diese erreicht braucht der Übende „nur“ mehr Sitzen. In Aktion in geistiger Bewegung. Und mit der Zeit, dadurch, dass sich neue Synapsen bilden, werden die Gedanken und das Verständnis des Lebens und eines Selbst, tiefgründiger und effizienter.
Stellen Sie sich eine Straße, einen Gebirgsweg von einer Stadt zu einer anderen vor. Unendliche Serpentinen, eine Fahrzeit von mehreren Stunden. Nach vielen Jahren Training haben Sie einen Tunnel durch den Berg gegraben und sind in einem Zehntel der Zeit am Ziel. Ist es das nicht wert, Bujutsu zu trainieren?

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SpiegelDec2008.pdf