Gemäß Plato, der zuerst das Höhlengleichnis gefunden hatte, leben wir alle in unserer eigenen Wirklichkeit.Wenn wir die Wand der Höhle anschauen, dann sehen wir Schatten der Realität aber nicht die Realität selbst.
Nun gut. Das Bildungsbürgertum des anfänglichen 20 Jhd. suchte nach den Weltkriegen eine neue bzw. nicht so destruktive Art des Denkens.
Verständlich, steckten noch beide Kriege fest in den Knochen und Köpfe der Menschen.
Die Studentenrevolten, der Aufbruch, Flux und dergleichen ein Losbrechen in eine neue Zeit.
Verachtet von den Alten, vergöttert von den Jungen.
Was haben die Intellektuellen gemacht. Well, Ich nenne es Renaissance 2.0
Viel Geist emigrierte und suchte dort nach weiterer Beschäftigung.
Die, welche die Kriege nicht zum Mittelpunkt ihres Denkens machten, mussten um Gehör zu finden in das gegenteilige Extrem gehen.
Und daraus entstand ebenfalls eine neue ausgleichende Denkrichtung, die zuletzt mit dem Konstruktivismus ihren Namen bekam.
Systemtheorie, Chaostheorie, Kommunikation alles wurde erstmals wissenschaftlich bearbeitet.
Weil neu, fehlten die Vergleichsmöglichkeiten.
Heute gut ein halbes Jhd. später herrscht Durchzug in den Hirnen der Gelehrten.
„Nicht verallgemeinern!!!“
Doch.
Was heute vorherrscht ist das Effizienz- und Wichtigkeitsdenken.
Unpopuläre Meinungen kommen heute, weil kein kritischer Geist mehr vorherrscht, gar nicht mehr an die Öffentlichkeit.
Hingegen, Renaissance 2.0, die Helden von damals, die einer ganzen Generation etwas zum denken gab, die bleiben in den Schaufenstern.
Es scheint wir wären konservativer als jemals zuvor in unserer Denkgeschichte.
Das heutige Paradigma schreibt die Objektivität vor. Es gibt keine eindeutige, sichere, klare Meinung. Jeder lebt in seiner eigenen Welt.
Rekonstruktion einer Rekonstruktion (z.B.: Plato – Watzlawick – Firmencoaching etc etc.)
Viele kennen gar nicht mehr den Ursprung dieser Ansicht benutzen diese Denkweise aus Effizienzsteigerungsgründen.
Gibt es keine sichere Meinung mehr, kann meine eigene mit SICHERHEIT punkten und gewinnt mindestens 50%.
Es wird bei ähnlicher Geisteshaltung immer 50:50 ausgehen.
Daher gibt es heute auch kein diskutieren mehr, es gibt nur mehr Vergleiche an Wissen.
„Wissensschlacht“ nenne ich es. Die Tendenz des Lernens ist damit minimiert, wenn gar ausgeschaltet.
Und wer am meisten Wissen angehäuft hat, hat die wenigste Erfahrung.
Erfahrung hingegen ist mit Objektivität nicht vereinbar.
Erfahrung wird erst dann zu einer, wenn diese einen Wert zugeschrieben bekommt.
Sei es „wunderbar“, sei es „widerlich“.
Es wurde gewertet.
Nochmals zurück zu Plato. Das Ende des Höhlengleichnisse beschreibt den Aufstieg aus der Höhle.
Die Schatten an der Wand weichen der Realität außerhalb der Höhle.
Plato selbst hat die Möglichkeit EINER Realität angeboten.
Niemand hat es aufgenommen, weil die Akzeptanz dieser Möglichkeit uns unserer besten Waffe enthebt.
Der Objektivität.
Ist es daher sinnlos die Wahrheit, die Realität außerhalb der Höhle zu beschreiben?
Auch ich war in einer Höhle, lange Zeit. Getrieben von falschen Vorstellungen war ich blind objektiv zu sehen und subjektiv zu werten.
Was oder wer auch immer kam mir zur Hilfe und ich erlernte auf sehr schwierige Art und Weise das Aussteigen aus der Höhle.
Lügnern, Leugnern, widerlichen Diktatoren, Hochnäsigen, Quatschköpfen, Dummen bin ich begegnet.
War selbst alles in einer Person.
War infiziert, angesteckt von der Einfachheit.
Es lebt sich einfach in diesen Rollen.
Reine Ignoranz ist immer einfach zu leben.
Bis einer aus der Höhle aussteigt.
Zuerst die Scham selbst einmal so gewesen zu sein. Die Einsicht schmerzt.
Dann das Tal der Tränen, den Verlust seiner eigenen Identität nimmt man an.
Sich selbst hatte man zu diesem Zeitpunkt noch nie erlebt. Man lebte in Schatten an der Wand.
Erst bis die Vorstellung von einem Selbst der Realität über einen Selbst gewichen ist, erst dann bist Du ausgestiegen.
Und dann blickst du mit Mitleid in die Höhle.
Der unten unterstellt Dir Hass und Neid. Du oben hast Mitleid, aber nicht im Kopf, im Herzen.
Und eines weißt Du ganz genau, verstanden wirst Du nie.
Weil so lange damit beschäftigt stehst Du noch sehr lange am Rand der Höhle und blickst hinab. Die Geister der Vergangenheit bleiben lange bei Dir.
Aber auch diese Zeit vergeht, jemand tippt Dir von hinten auf die Schulter und führt Dich in der Welt herum. Weg von der Höhle.
Dann hast Du es geschafft.
Und wenn Du die Wahrheit sagst, Sie nicht für sinnlos hälst, dann bist genau DU derjenige, der vielleicht einen anderen von der Höhle wegführt und die Welt zeigt.
Aufsteigen muss man selbst. Dann kann man sich getrost führen lassen.