Ich beschäftige mich lange genug  damit, um sagen zu können ihn zu finden ist eigentlich recht einfach.
Besser wäre es zu sagen, er findet Dich.

Nach den vielen Büchern, die jeder lesen muss, bevor er sie weglegt.
Nach den vielen Gesprächen, die jeder führen muss, bevor sie/er zu schweigen beginnt.
Nach den vielen Gedanken, die im Kopf herumgeistern, bevor diese verschwinden.
Nach den vielen Meistern im Leben, die man sich sucht, um Sie dann wieder zu verlassen.
Nach den vielen Menschen, die man liebt, um Sie mit noch mehr Liebe gehen zu lassen.
Nach den vielen Kilometern, die man weg läuft, um darauf zu kommen, dass es Dich immer wieder einholt.

Ich war in meiner Kindheit in einem Internat. Dort gab es Regeln.
In der Hausordnung, die ich unzählige Mal abschreiben musste, stand als erster Satz.
„Die Hausordnung dient dazu Regeln festzulegen, die für ein Zusammenleben notwendig sind.“
(Na bitte nach mehr als 25 Jahren, noch immer im Kopf.)
Wurden diese Regeln verletzt gab es diverse Sanktionen.
Eine beliebte war, für den Fall man wollte wieder mal nicht rechtzeitig ins Bett gehen, oder nicht schlafen, wie befohlen.
(Frage mich wer kann das schon?)
Also wurde man beim Stören erwischt hatte man sich auf den Gang zu stellen.
Dann kamen die berühmten drei Münzen.
Man musste sich so zur Wand stellen, dass man mit der Nase und jeweils den beiden Zeigefingern eine Münze an die Wand hielt.

Die härteste Strafe war das sogenannte „Wochenende“.
Dies bedeutete nicht nach Hause zu können. Im Internat zu bleiben und einige Male besagte Hausordnung abzuschreiben.
Vielleicht noch etwas zu lernen zu bekommen.

Nun war es natürlich sehr still auf den Gängen und wenn eine der Münze klirrend auf den Boden fiel, hieß das automatisch ein „Wochenende“.
Es versteht sich von selbst, dass immer die gleichen Jungs unter den „Woooochenende“- Kindern waren.
Ich war einer davon.
Doch nach ein paar dieser „Wochenenden“ verlor die Strafe jeglichen Charme.

Es gab besseres Essen als unter der Woche. Man konnte länger schlafen. Mein Internat war im Grünen, also in der Früh schon am Sportplatz und zwischendurch eben ein wenig dösen beim Abschreiben der Hausordnung.

Und da geschah es, dass wir Jungspünde unsere Erzieher, damals als alt eingestuft in Wahrheit nicht älter als 28 Jahre, entwaffneten.
Ganz einfach mit einem lauten:“Sch… drauf.“
Klirr, Klirr, Klirr
„Gute Nacht“.

So ist das mit dem Weg. Irgendwann, kommt jeder zu „Sch… drauf“, Gute Nacht.

Anfangs mag es als Resignation erscheinen, aber diese Geste, dieses alles Hinschmeißen hat durchwegs positive Eigenschaften.

Erstens hast Du keine Angst mehr vor den Folgen. Zweitens verlierst Du die Angst an sich und drittens siehst Du Dich vollkommen in der Lage die Folgen Deiner Taten auf Dich zu nehmen.
Nichts und niemand kann Dich mehr nerven.
Du musst also diese Kilometer laufen, diese vielen Bücher lesen, diese unzähligen Gespräche führen, diese vielen Menschen lieben…

Irgendwann kommt dann der erlösende Moment des „Sch… drauf.“
Ich bin überheblich genug zu sagen, ohne diesen Moment geht es nicht.

Diesen Weg wollen viele abkürzen.  No, not possible.
Und was sind schon drei Münzen auf dem Weg zur Erleuchtung?
Genau, die musst Du dem Fährmann geben, damit er Dich auf die andere Seite bringt.

Und wie gesagt, mit dem „Sch… drauf“ ändern sich auch die Handlungen.
Es war mir irgendwie alles ein wenig mehr egal.
Und damit ich auch mir selbst.
So ein gutes tiefes lautes „SCH… drauf“ hat schon was Befreiendes.

Liest man die alten „Meister“ sei es nun Orient oder Okzident, alle mussten zuerst vollkommen am Limit sein. Geistig wie Körperlich und nach einem lauten „SCH… drauf“ oder wie der Lateiner sagte: „SCH… drauf!“ fiel der Stress, die Last ab anderen zu entsprechen.

Und dann ist Dein Sensorium anders eingestellt. Du bist dann anders gepolt und wie Du dann Entscheidungen triffst ist anders. Andere Richtlinien.
Du hast Dich geändert. Du hast Dich verändert.
Der erste Schritt auf Deinem Weg ist nun getan.

Gratuliere…