Was soll eigentlich immer das Gerede darüber, wir Menschen hätten nichts aus der Vergangenheit gelernt?
Zumindest hier in Europa kann das nicht stimmen.
Wir haben eindringlich durch die vergangenen 100 Jahre gelernt, wie schnell es gehen kann, dass ganze Völker ausgerottet werden, weil einige wenige über Landkarten gebeugt dies entschieden hatten. Vom geistigen Verhalten sehe ich übrigens keinen Unterschied zu den gierigen Bankern, die auf Länder und damit auf Menschen spekulieren.
Unser Bildungssystem, unser Rechtssystem, unser Denksystem, alle entstanden nach diesen einmaligen Ereignissen der Weltgeschichte.
Damals war klar es dürfe nie wieder zu so einem Krieg kommen.
Es wurden neue Systeme erdacht, die es unmöglich machen einem Menschen soviel Macht zu geben. Diktatur sollte damit in Europa für immer verschwinden.
Was folgte waren Jahrzehnte der Entspannung. Die ältere Generation gab der jüngeren die Neurosen der Wiederholung mit. Freud, Fankl hatten ihre Freude.
Die Wirtschaft übernahm.
Sie führte uns in ein neues Zeitalter, in Wohlstand und Frieden.
Die Menschen genossen in vollen Zügen und konnten sich auf andere Dinge konzentrieren, da das Überleben soweit gesichert war.
Moderne Philosophie entstand, (einige auch noch vom Kriegstrauma geprägt).
Wobei zu sagen ist, wie Bertrand Russel so nett formulierte. „Philosophie die sich darauf beschränkt sich in seiner Umwelt zu erklären ist keine.“
Aber das ist ein anderes Thema.
Und während die Jahrzehnte dahinzogen, die Generationen wuchsen und Neue schafften merkte niemand, wir wurden alle ….
GLEICH.
Seitdem die Wirtschaft als Haupttriebfeder der Ruhe und des Wohlstands wurde, seitdem die technischen Errungenschaften jedem zugänglich wurden, wurden wir alle gleich.
Alle bekamen dieselben Chancen, alle konnten alles werden.
Und seitdem die Globalisierung eingeläutet wurde, wird versucht dieses Schema auf den ganzen Erdball auszubreiten.
Alle sind gleich. Egal welche Hautfarbe, welche Religion, welches Geschlecht.
Nur so könne der Friede gesichert werden.
So einleuchtend diese Idee auch scheint, soweit diese auch bis jetzt funktioniert hat, so schnell versagt diese auch wieder.
Warum?
Es wurden alle unsere körperlichen Grundbedürfnisse gedeckt. Der erste Schritt zur Sicherheit.
Ein Mensch fühlt sich erst dann sicher, wenn er etwas zum Essen hat und ein Dach über dem Kopf.
Das Bildungssystem enthob die Eltern der Pflicht ihre Kinder selbst auszubilden.
Damit wurde mehr Raum für Selbstverwirklichung der Eltern geschaffen, nämlich in ihrem Job. Natürlich werden jetzt einige anmerken, dass sei naiv, aber wahrscheinlich sind es genau diejenigen, die es nicht geschafft haben sich selbst zu verwirklichen und weiterhin einen Job machen, der ihnen keine Freude macht, der sie emotional aussaugt und aus dem sie meinen keinen Ausweg zu haben.
Das ist ebenfalls eine andere Geschichte.
Unsere geistigen Bedürfnisse blieben aber auf der Strecke.
Doch egal wie lange es dauert, auch das beweist der Blick in die Geschichte, der Geist möchte genauso grundversorgt sein, wie der Körper.
Und hier stehen wir heute.
Abermillionen von Menschen, die nicht genau definieren können was ihnen fehlt, aber wissen dass ihnen etwas fehlt.
Abermillionen von Menschen, die zerrissen sind zwischen ihren moralischen Vorstellungen eines guten Zusammenlebens und ihrem innerlichen Wunsch nach Selbstentfaltung.
Abermillionen von Menschen, die schweigend hinnehmen, weil sie keine Möglichkeiten sehen wo und wie sie sich vermitteln sollen.
Wie gut dann, dass es Facebook und Co gibt. Eine Möglichkeit nur durch Worte sich selbst über andere zu erheben. Sie selbst zu behaupten. Sich selbst Wichtigkeit zu geben.
Einer meiner Schüler sagte einst:“Da gab es ein Posting auf Facebook, dass zum Widerstand gegen eines Sache aufrief. Ich habe mir das durchgelesen, fand es sinnvoll und habe „geliked“, am nächsten Tag waren es schon mehrere Millionen Likes. Ich habe mir gedacht, jetzt kommt endlich was ins Rollen. Passiert ist gar nichts. Ich war enttäuscht.“
„Enttäuscht“ = eine Täuschung ablegen, also ein guter Prozess.
Ein „Like“ und sonst nichts ist ein guter Spiegel unserer Gesellschaft.
Unser Problem heute ist, dass noch immer NICHT der Mensch nach Verallgemeinerung strebt. Wenn ein Mensch einer unter vielen ist, leidet er. Viele ohne es definieren zu können.
Daher befreit es im Geiste mit einem Klick gegen etwas Stellung zu nehmen. Es tatsächlich zu tun dafür, denken viele, fehlt es ihnen an der Möglichkeit.
Wir werden zugemüllt mit weltbewegenden Themen, meist soweit weg, dass wir nur schauen, liken und posten können.
Wir haben uns schon so daran gewöhnt, wir haben es uns angelernt.
Und dann scheint uns die Lösung unserer fehlenden Individualität ebenfalls soweit weg.
Beim Schnuppertraining lernen sie gehen und stehen. Einfach nur das.
Alle bis jetzt hatten dabei ein „Aha“- Erlebnis.
Alle haben sehr schnell erkannt, dass die Gedanken etwas zu können diametral den eigenen körperlichen Fähigkeiten widersprechen.
Und dann machen wir uns gemeinsam auf den Weg.
Und schon nach kurzer Zeit merken sie, dass es beginnt zusammen zu passen.
Sie lernen sehr schnell den Genuss zu spüren, wenn Geist und Körper das Gleiche tun.
Das ist ultimative Individualität.
Es gibt keinen geistigen Flash. Es gibt kein „Lichtschwall im dritten Auge“.
Manchmal ist unsere Erwartung über das was Geschehen soll, so von Geschichten Dritter beeinflusst, dass wir gar nicht mitbekommen was Großartiges in uns passiert, weil es nicht den idealisierten Vorstellungen entspricht. Deswegen fühlen sich viele auch nach einiger Zeit des Gehens nicht ganz befriedigt, weil Sie einem Ideal nachlaufen, dass es so nie gegeben hat.
Wieder eine andere Geschichte wert.
Einfach gehen. Einfach sitzen, einfach Essen einfach Rollen.
Und sie hören auf Gleich zu sein.