Kein leichtes Thema diesmal. Oder besser die Aussage richtig zu treffen wird schwierig.

Es braucht ein paar Annahmen.
Wir wurden nicht vor 2000 Jahren erschaffen, ist Annahme Nr.1.
Evolution gilt für uns als bewiesen, Annahme Nr. 2
Nr.3 Der Mensch beginnt nur dann einer zu sein, wenn er sich in einer Gruppe aufhält, da nur in einer Gruppe die volle Entfaltung seines Potentials möglich ist.
Entfaltung bedingt das FÜR und VOR welches alleine nicht möglich ist.
Nr.4 Auch in der modernen Zeit endet das direkte, fühlbare Interesse an der Umwelt an der Grenze unseres Sozialgefüges. Soll heißen unser Bekanntenkreis (nicht Freundeskreis) bestimmt in gewisser Art und Weise unser Denken und Handeln.

Nun gut, das akzeptiert wird es nicht mehr so schwierig sein, die Aussage zu transportieren.
Das Unwort des letzten Jahrzehnts ist „Globalisierung“.
Es ist ein Wort der Wirtschaft und nicht der Wissenschaft.
Es wurden globale Märkte geschaffen, um den immer schlechtern Volkswirtschaften neue Möglichkeiten des Wachstums zu geben.
Grenzen wurden abgebaut, Währungsunion eingeführt, Zölle aufgehoben (neue eingeführt).
Verkauft wurde uns das als unendliche Möglichkeit, aber eben nur verkauft.

Die Garantie des Globalisierungsglücksgefühls ist nun schon lange abgelaufen. Und wie das nun mal mit Dingen nach der Garantie ist, beginnt alles zu zerbrechen.
Damals wurde auf ein altes System ein Neues aufgesetzt.
Wie es heute ebenfalls Mode ist. Es kommen immer neue  Möglichkeiten dazu, aber Alte verschwinden nicht.

Das Resultat ist offensichtlich. Überflutung.
Massiver Informationstsunami.
Erstmals in der Geschichte der Menschheit ist in erste Welt Ländern, die Bildung dermaßen schlecht, dass wir motivierte, gebildete und arbeitswillige Menschen einfliegen müssen.
Kein Geld wird mehr in Bildung investiert, warum ist klar. Es fehlt ein neues System.
Das Alte dermaßen aufgebläht, niemand hat mehr den Überblick. (Quasi dasselbe Phänomen wie bei Schrottpapieren an der Börse)

In nicht so globalisierten, der Wirtschaft unterwürfigen (NOCH!) Ländern sind Systeme relativ jung, vom Westen abgeschaut, aber eben nur die Rosinen aus dem Kuchen.
Dort funktionieren Sie besser. Indien, die EDV Supermacht, China die Supermacht der erneuerbaren Energien.
Wir können uns nur damit helfen Strafzölle gegen diese Produkte auszusetzen, sonst fressen uns die Konkurrenten auf. Was sagt das über uns aus?
(China hat ein anderes politisches System, das sei anerkannt.)

Der meiste Reis kommt aus Thailand, die T-Shirts aus Bangladesch, die Bananen aus Panama.
Wir im Westen konsumieren nur mehr. In 20 Jahren kann die Welt nicht mehr ihre Bevölkerung ernähren.
Nicht an Mangel an Nahrungsmittel, sondern wegen Mangels an Transportmöglichkeiten, weil diese zu teuer sein werden.
Wir hätten alle genug zu essen, aber kein Geld es zu vermarkten. (Sieht wer den Widerspruch?)

Der Konsumationsdrang ist ein globaler. Soll heißen nicht Warenspezifisch. Konsumieren ist eine Emotion und kein rationaler Akt.
Sonst bräuchten wir keine Werbung, die nur auf unsere Emotionen abzielt.
Emotion verkauft sich gut.

Dasselbe mit Lernen, Bildung. Niemand scheint das zu verstehen.
Lernen ist eine Emotion. Kein rationaler Akt.
Jeder der versucht hat in der Schule etwas zu lernen, das keinen Spaß gemacht hat, weiß wovon ich rede.
Also weiß es jeder.

Nun heute ist uns der Spaß abhanden gekommen. Es geht um Maximierung des Wissen, die Wissensbörse hat Konjunktur.
Sprach ich vor Kurzem mit einer Universitätsprofessorin (Jus). Sagte Sie mir, fertig Rechtsanwälte kämen zu ihr um Grundfragen zu klären.
Warum? Die Prüfungen wurden bestanden aber das Verständnis nicht geprüft.
Wissensmaximierung und nicht Verständnismaximierung.

Die Globalisierung gibt uns aber auch noch etwas anderes. Chance.
Chance Dinge zu erfahren, die vorher versteckt waren.
Dazu braucht es aber Interesse, einen innere Kraft, eine Emotion. Die des Lernen wollens!
Lernen wollen und konsumieren schließen sich gegenseitig aus.

Der Akt des Konsums endet mit Übergabe  der Ware.  Ein neuer wird indiziert, um weiter auf der Emotion zu bleiben.
Der Akt des Lernens beginnt mit der Übergabe der (Bildungs-Wissensware)
Ab Übergabe liegt es an einem selbst.
Das ist das Problem.

(Oder eben nicht. Ich versuche wirklich mit allen Fasern meines Körpers diesen Negativspin der Globalisierung zu vermeiden. Daher sei darauf hingewiesen, dass die Faulheit selbst weiterzumachen nur bedingt an der Globalisierung hängt. Also nicht auf Werbung hineinfallen und alles derselben zuschieben, sondern differenzieren.)

Nun festgestellt und für richtig empfunden, das Konsum nur eine emotionaler Akt ist erklärt sich die Emotionslosigkeit von heute von selbst.
Gehen wir in den Supermarkt:

  • für Lebensmittel
  • für Elektrogeräte
  • für Baumaterial
  • für Esoterik und „freie“ Gedanken
  • für Wissen und Bildung
  • für politisches Denken
  • für Philosophie (da machen wir uns nun sogar schon den Supermarkt selber)
  • für Information
  • für Emotion

Das Angebot ist so gewaltig es übersteigt unsere Wahlkompetenz. Deswegen weil wir instinktiv wissen wir können nicht mehr ALLES in einem Leben ausprobieren.
(Auch erstmals in der Geschichte der Menschheit)
Nun schrecken wir zurück und wissen nicht wo anzufangen.
Viele Leute kontaktieren mich in Bezug auf Budo/Bujutsu, die wissen wollen was den anders sei bei mir.
Wenn ich mit den Leuten ins Gespräch komme (wenn man es so nennen kann, via email und Internet) stellt sich immer wieder (Prozentsatz 98% der Anfragenden) heraus, daß Sie einem falschen Angebot aufgesessen sind. Enttäuscht seien und daher skeptisch.

Diesen Menschen rate ich dann zu einem Probetraining vorbei zu kommen. Stehen Sie auf meiner Tatami lernen Sie stehen.
Zumeist eine neue Erfahrung. Warum?
Weil es eben eine Emotion ist und keine rationale Handlung.
Viele Menschen erklären mir ständig wie wichtig Atmen sei, und Sie müssten sich „ja eh ein wenig mehr darum kümmern.
Gleiches beim Essen.

Genau deswegen funktioniert es dann nicht.
Wie beim ZEN. ZEN das große Heilversprechen im Westen. (Nebst Meditation, Reiki, Spinning => bitte besuchen Sie den Supermarkt selbst)
ZEN verspricht Ruhe im Geist. Stille im Kopf.
Ich frage immer am Anfang. WOZU, wollen Sie das, eigentlich?
Nach längerem Fragen (man unterstellt mir mitunter Unhöflichkeit wie und weil ich die schmerzhaften Fragen stelle 😉 ) stellt sich heraus.
Wir wollen Stille im Kopf um diese mit neuem Lärm zu füllen. Diesen aber suchen wir uns selbst aus.

Ich sage dann immer (wirklich immer) „Ihr Geist ist blockiert, wie Sie selbst sagen. Sie wollen Ruhe im Kopf. Sie sagen Sie wollen sich hinsetzen, die Wand anstarren und Atmen lernen.
Wie sinnvoll ist es ihren blockierten Geist mit demselben Geist öffnen zu wollen? Den was anderes haben Sie nicht vor.“

Die Reduktion und Zuteilung in die Kategorien Emotion und Rationalität ist die neue primäre Aufgabe an die Gesellschaft.
Sehr oft wird dies verwechselt und daher fühlen sich so Viele Menschen überfordert.
Zuviel Angebot, zu wenig Selbst-wert-GEFÜHL führen zu einer Abhängigkeit, die empfunden wird aber real nicht zutrifft.

Und was noch immer mehr dazukommt. Wer im Wettbewerb des Wissens mitmachen will MUSS sich überfordern um dran zu bleiben.
Es ist wie bei einem blinden Menschen. Da seine Augen nicht mehr funktionieren verstärken sich die anderen Sinne dermaßen, um einen Ausgleich zu finden.
Dasselbe beim Wissenmenschen. Die Emotion bleibt immer auf der Strecke.
Und dann kommt das Gefühl der Überforderung (eine EMOTION nebsbei bemerkt). Wie damit umgehen, verlernt.

Man sollte sich immer Fragen WOZU eigentlich?
Nicht WARUM!!! Auch das ein Produkt der Werbung.
WARUM = Rationalität. Die Erklärungen sind mitunter so verzweigt und weit hergeholt.
WOZU = Emotional.
Die Schokolade um glücklich zu sein?
Hat man ihnen erklärt, dass Schokolade ein Glückshormon im Körper anregt?
Tja, leider nur bei echter Schokolade, die Sie fast nicht mehr im Supermarkt bekommen. (weil Kosten – Transport und so)

Sie brauchen das neue Iphone? Welches ab Kauf keinen emotionalen Wert mehr für Sie hat, da die einzige Emotion im Erlegen der Beute liegt.
Sie es wissen sicher aber willentlich für den nächsten Beutezug vorbereiten?

Dann dürfen Sie sich aber nicht aufregen, wenn Sie durch das ständige Jagen ganz darauf vergessen sich eine Höhle und ein Feuer einzurichten bei dem Sie dann mit ihren Liebsten einen gemütlichen Nachmittag verbringen.
„Liebster, Liebste was ist das?“