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… Realität

Warum sind wir so schnell, wenn es um Trauer und so langsam wenn es um deren Verhinderung geht?

Als der erste Kamikaze Flieger in Pearl Harbour einschlug sprachen die Augen der amerikanischen Soldaten pure Angst.
Bewegungslosigkeit, Lähmung und Unfassbarkeit in nur einer Sekunde.

Bis dorthin hatte diese unsichtbare Grenze geherrscht. Im Krieg den anderen zu töten ist das Eine, sich selbst dabei aufzugeben das Andere.
Vom Feind getötet zu werden gehört zum Alltag des Krieges, aber sich selbst als Waffe zu verwenden war für die Amerikaner neu.

Das wirklich Unfassbare war die Antwort auf die Frage, die sich alle in diesem Moment selbst stellten.
„Könnte ich das auch?“
Und sie alle mussten es mit Nein beantworten.

Der Akt des Kamikaze hat einen Spiegel vorgehalten in den niemand hineinschauen wollte.

Paris
Während alle fragen, Warum jemand so etwas tun kann, haben die, die es tun diese Frage schon längst beantwortet und tun es weiter.

Während alle damit beschäftigt sind, sich selbst, ihre Kultur, ihr Sein von diesen abscheulichen Taten abzugrenzen, haben die, die es tun dies schon längst getan und werden es weiter tun.

Während alle mit der Antwort auf die Frage der Selbstaufgabe beschäftigt sind, haben die, die es tun dies schon längst getan und werden es weiter machen.

Während alle Grenzen aufziehen, Schutz suchen und sich verstecken wollen, haben die, die es tun, ihre Verstecke verlassen und tun es weiter.

Der Kamikaze hatte den Vorteil einer getroffenen Entscheidung.
Einer Entscheidung, die für uns unvorstellbar war und ist.
Das gesamte System der westlichen Kriegsführung war mit einem Mal null und nichtig.

Wer Krieg führt fällt zuerst eine Entscheidung und handelt danach.
Der Entscheidung liegen nach dem jeweiligen Wertesystem  moralische Werte zugrunde.
Das Handeln folgt diesen Werten.
Wer ständig die Entscheidung hinterfragt, wird niemals gegen jemanden, der handelt obsiegen können.

Zeigt es vielleicht, dass wir keine Werte mehr haben?
Weshalb brauchen wir solange, bis wir eine Entscheidung treffen?

Hollande erklärt den Ausnahmezustand, sein Land wurde angegriffen, Bürger starben.

Und schon am nächsten Tag beginnen Menschen von Freiheitseinschränkung, Grundrechten und anderen Wegen zu sprechen.
Ein Wertesystem steht im Fokus der Attacken.
Die egomane Sicht des Einzelnen aus diesem Wertesystem wird produziert.

Kein gemeinsames Verständnis, keine gemeinsame Erklärung.
Außer in der Trauer.
Da sind sich alle einig.
Denn Trauer kann nicht das eigene Leben kosten.

Wer soll nun gegen diese Terroristen vorgehen?
Wer soll nun sein Leben aufs Spiel setzen?
Wer soll unsere Werte verteidigen?

Die Anderen?

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