Fuat Sanac behauptet in seinem Interview gegenüber der Presse am Freitag den 20.11.2015, dass die Muslime so unterdrückt sind, dass sie es nicht einmal vagen, auf die Straße zu gehen und antwortet als Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich auf die Frage des Interviewers Köksal Baltaci, wo denn die öffentliche Distanzierung der muslimischen Religionsgemeinschaft von den islamistischen Terrorakten bleibe: Warum sollen wir (Muslime) uns für diese Verbrecher entschuldigen und uns von ihnen distanzieren? Die meisten jugendlichen Muslime sagen, dass sie mit diesen Menschen nichts zu tun haben und dass sie nur Produkte von anderen Mächten sind. Ich sage nur, was die muslimischen Jugendlichen denken. Sie sind frustriert und hilflos zugleich. Sie sagen, sollen doch die Amerikaner und Europäer selbst auf die Straße und das Problem lösen.
Toleranz:
Damit ist, um einen Bogen zum Zen zu spannen, die richtige Praxis zu verstehen. Nämlich jene, anders Denkende, anders Handelnde, anders Glaubende usw. zu dulden und diese Personen deswegen nicht zu verfolgen oder ihnen einen anderen Lebensstil aufzwingen zu wollen. Diese Toleranz in einer Gesellschaft funktioniert nur solange, als sie auf Gegenseitigkeit beruht. D.h. derjenige (diejenige), der (die) für sich Toleranz beansprucht, ist dazu angehalten, dem gegenüber dieselbe Toleranz entgegen zu bringen. Würde diese Praxis gelebt werden, ließen sich persönliche und gesellschaftliche Auseinandersetzungen auf ein Minimum reduzieren lassen.
Respekt:
Diesen Begriff versuche ich im Lichte der richtigen Haltung im Zen zu beleuchten. Die gesellschaftliche Anerkennung anderer Glaubensgemeinschaft, anderer Lebensstile usw. verhindert, dass diese Menschen gesellschaftlichen oder sogar rechtlichen Diskriminierungen ausgesetzt werden, weil die Praxis der Toleranz den anders Denkenden, anders Handelnden anders Glaubenden usw. zwar die uneingeschränkte Ausübung ihres Lebensstiles ermöglicht, aber den Zugang zu den Rechten, wie sie anerkannte Gesellschaftsteile genießen, nicht gewährleistet. Eine richtige Haltung zu dem Thema sollte zu der Überzeugung führen, dass auch der uneingeschränkte Respekt notwendig ist, damit jedwede Diskriminierung vermieden wird. Auch dieser Respekt beruht auf Gegenseitigkeit und wird ohne nicht funktionieren. Hier gilt es nun die Aussagen des Herrn Fuat Sanac etwas zu hinterfragen. Unsere Rechtsordnung hat sich über Jahrtausende entwickelt. Diese Entwicklung führte über die Säkularisierung (Trennung von Religion und Staatsmacht) ab dem Ende des 18. Jahrhunderts zu einer Demokratisierung der europäischen Gesellschaften. Wie wir wissen, gestaltete sich dieser Prozess gerade in unseren Breitengraden als äußerst langwierig und bedurfte gleich zweier Katastrophen im 20. Jahrhundert, bis unsere Gesellschaft begann die Demokratie durch richtige Praxis und richtige Haltung zu leben. Herr Fuat Sanac lebt in einem Staat, in welchem es noch heute anerkannt ist, gegen Rechtsextremismus aufzutreten. Extremismus wird nicht anerkannt. Das sollte eine Gesellschaft durch friedliche Kundgebungen zum Ausdruck bringen. Warum also nicht die muslimische Gesellschaft in Österreich? Warum sagen die muslimischen Jugendlichen, dass die Amerikaner und Europäer selbst auf die Straße gehen sollen, um das Problem zu lösen? Sind die Muslime in Amerika oder Europa keine Amerikaner bzw Europäer? Anerkennen sie unsere Rechtsordnung nicht, weil sie nicht an der Sharia ausgerichtet ist? Die muslimische Glaubengemeinschaft ist in Österreich nicht nur geduldet, sondern auch von unserer Rechtsordnung anerkannt, aber eben nur als Religion und nicht als staatliche Verfassung. Deswegen hat die muslimische Glaubensgemeinschaft auch Anspruch auf staatliche Fördermittel wie alle anderen Glaubensgemeinschaften in Österreich auch und erhält auch welche. Anerkannt zu sein, gewährt Rechte aber auch Pflichten. Dazu gehört auch die Pflicht unsere Rechtsordnung zu respektieren und wenn notwendig zu verteidigen. In dieser hat die Sharia keinen Platz. Denn diese würde einen nicht annehmbaren Umkehrprozess in unserer Gesellschaft bedeuten. Die Sharia kann in unserer Gesellschaft nicht anerkannt werden. Ebensowenig eine religiöse Praxis, die unsere gesellschaftlichen Errungenschaften, wie Demokratie, Gleichbehandlung von Mann und Frau usw missachtet.
Es ist bezeichnend und gefährlich, dass Herr Sanac die Muslime den Amerikanern oder Europäern gegenüberstellt. Dies impliziert eine mangelnde Anerkennung unserer Werte und Rechtsordnungen in Europa. Ja es suggeriert sogar das Fehlen jeglicher Indentifikation damit durch Muslime. Die österreichische Gesellschaft muss sich seit 70 Jahren von Rechtsextremismus distanzieren und hat kein Problem damit, obwohl heute niemand mehr etwas mit den furchtbaren Verbrechen des Nationalsozialismus zu tun hat. In diesem Lichte sind die Aussagen des Herrn Sanac äußerst bedenklich. Die Terroranschläge werden im Namen des Islam verübt. Die Verbrechen in Syrien an unschuldigen Menschen werden im Namen des Islam verübt. Teile unserer Gesellschaft fragen sich, warum dann die islamische Gesellschaft, die in Österreich voll und ganz anerkannt ist, deren Anhänger daher definitiv nicht unterdrückt werden, nicht bereit ist, durch entsprechende Kundgebungen öffentlichkeitswirksam auf Distanz zu den barbarischen Morden im Namen des Islam zu gehen.
Akzeptanz:
Es ist das richtige Verständnis von Toleranz und Respekt, welches uns akzeptieren lässt oder eben nicht. Sie ist Ausdruck unserer freien Gesellschaft. In der westlichen Welt gilt die Trennung von Religion (Kirche) und Staat allgemein als erstrebenswerte und notwendige Voraussetzung für eine demokratische Gesellschaftsform. In der säkularen Demokratie sind nicht religiös fundierte Glaubenssätze, sondern der Wille der Wähler, das Allgemeinwohl sowie bürgerliche Werte wie Freiheit, Gleichheit und Solidarität die Richtschnur des politischen Handelns. Wer dies nicht annimmt, darf weder geduldet noch anerkannt werden.
Anbei finden Sie den Link zum Interview auf diepresse.com
http://diepresse.com/home/panorama/religion/4870249/Fuat-Sanac_Muslime-sind-so-unterdruckt-?from=suche.intern.portal
Der GastBlog wurde von Herrn Magister Schefcik, Rechtsanwalt in Wien geschrieben

