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… über Bewunderung

Einer der Momente, die ich nie vergessen werde war zweifellos der, als ich vor 27 Jahren das erste Mal ein Dojo betrat.
Unsicher, ängstlich und ahnungslos stand ich da in meinem ersten Dogi mit weißen Gürtel.

Ein japanisches Sprichwort sagte: „Wenn Du lernen willst, dann musst Du vertrauen.“

Den Fehler habe ich zu oft in meinem Leben gemacht. Auch heute noch.
Prinzipiell glaube ich jedem, der mir etwas erzählt.
Damals standen die „Meister“ auf der Matte und konnten erzählen was sie wollten, ich habe ihnen alles geglaubt.
Und wenn sie was vorzeigten hatte ich ständig meinen „Boooooaaaaaa“- Effekt.
Kampfsport ganz zu schweigen von Kampfkunst waren mir so fremd, dass ich keine Möglichkeit sah auch nur irgendwie abschätzen zu können was ich sah, hörte und fühlte.

So geht es uns allen. Etwas das wir nicht kennen, offenbart sich uns beim ersten Mal immer als unabschätzbar.

Kritisches Denken will gelernt sein und daher ist es wichtig zu hinterfragen.
Nicht nur sich selbst, auch die, denen man vertraut.
Es ist genau dieser Moment der Vertrauen aufbaut oder zerstört.

Hinterfragen ist keine Aufforderung zum Kampf. Hinterfragen ist eine Suche, die sachlich und emotionslos ablaufen muss.
Wer ausschließlich Fehler beim anderen sucht, tut dies rein in der Absicht sich selbst hervorzuheben, den anderen unter sich zu bekommen.
Hingegen wahres Hinterfragen öffnet einen Dialog, gemeinsames Denken und sucht prinzipiell das Positive.

Dennoch fällt es mir manchmal in kritischer Auseinandersetzung mit der Materie der Kampfkunst schwer Positives zu finden.
Da sehe ich Leute mit Schwertern herumfuchteln, denen applaudiert wird und ich frage mich wozu?
Das säbeln „Meister“ Matten durch, begreifen sich als die großen Kampfkünstler und alles was sie machen ist grober Unfug.

„Der wahre Meister hat Auseinandersetzungen nicht notwendig“ auch ein Spruch aus dem alten Japan.
Gemeint war, nicht wegen jedem Blödsinn einen Kampf anzufangen, da ja damals ein Kampf immer auch den Tod bedeuten konnte.
Nun gut heute ist das nicht mehr so und deswegen sage ich „NEIN“

NEIN , das ist keine wahre Kampfkunst.
NEIN, das ist keine Meisterschaft.
NEIN, das ist in jedem Fall auch kein Fortschritt, womit heute so viele Werbung machen.
Wie kann jemand von sich behaupten eine Jahrhunderte alte Tradition  „weiterentwickeln“ zu können?
Wie geht das? Und das, obwohl er/sie nicht einmal die Sprache des Landes spricht aus dem diese Tradition stammt?

Jeder, ausnahmslos jeder, der versucht hat Tradition weiter zu entwickeln ist gescheitert.
Tradition ist ein Produkt aus Zeit und Arbeit. Körperlicher Arbeit.
Tradition ist angewandte Erfahrung, was zu Erkenntnis führt.
WIE soll man Erfahrung weiter entwickeln?

Überlegen Sie sich das einmal.

Dann werden Sie sofort den Fehler im System erkennen.
NEIN, was viele machen ist auf der Unkenntnis der Suchenden aufzubauen.
Wenn jemand keine Ahnung hat, dann kann ich ihm alles verkaufen.
Selbst wenn diese „Weiterentwicklung“ de facto Inhalt der Tradition ist!

DAS ist der USP. Unwissende finden einen Brotkrümel und machen daraus ein System.
Wer aber lange genug, ausdauernd und mit Hingabe an sich und seiner Berufung arbeitet, wird zur Tradition.
Weil Sie/Er durch alles durchgestiegen ist. Weil Sie/Er demütig genug war so lange sich selbst hintanzustellen, um die Lehre komplett in sich aufzunehmen.

Nur das wird unsere Zukunft sichern.
Menschen, die durchgestiegen sind.
Menschen, die sich Zeit nehmen, um zu lernen.
Menschen, die kritisch Hinterfragen, ohne gewinnen zu wollen.

Die Kunst spricht immer für sich selbst.
Habt den Mut „NEIN“ zu den Unkünstlern zu sagen.

So geht das:

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