http://www.zeit.de/2013/27/staatsverschuldung-rechenfehler-thomas-herndon

Nehmt euch die Zeit diesen Artikel in Ruhe zu lesen. Denkt darüber nach.

Es wird als ein Faktum angesehen, dass es zur Wahrheit immer einen Gegenpol, eine andere Wahrheit geben muss.
Wir sind so weit indoktriniert, dass wir schon automatisch einen Gegenpol zu suchen beginnen BEVOR wir unserer Wahrnehmung Glauben schenken.

Glauben schenken, genau so sollte man es sehen. Jemandem seinen Glauben zu schenken ist ein Geschenk. Möge behutsam und mit Bedacht geschehen.
Dazu benötigt es Auseinandersetzung mit der Materie. Zeitaufwand.

Einst traf ich einen Kirchenjuristen. Fasziniert von seinem Fachwissen diskutierten wir über Rechtsgeschichte.
Wir kamen auf das Privilegium Maius zu sprechen.

Wieder eine Fälschung.
Es wäre doch mal toll wenn sich ein Geschichtsstudent in seiner Doktorarbeit damit auseinandersetzt wie viel in unserer Geschichte aufgrund von Fälschungen und Lügen entstanden ist.

Wie dem auch sei unser Gespräch führte eben zu dem Punkt und ich sagte.“Ja aber es ist doch bekannt, dass es eine Fälschung ist“
Die Antwort:“Das letzte mal als ich es gesehen habe und selbst übersetzt habe, musste ich schon feststellen, dass diese aber gut gemacht war..“
Ich, Glupschaugen, „ähhhmmm gesehen?“
Er „Kollege, eines gleich vorweg IMMER selbst nachprüfen, keinen falschen Übersetzungen glauben schenken…“

Wir kennen oder besser vermissen diese Einstellung ja täglich wenn wir die Zeitung aufschlagen. Heute schreiben die Billigblätter unrecherchiert ab. Aber wenden wir dieses Vermissen auch bei uns selbst an?

Aber wie ist das nun mit dem Leben und warum schreibe ich einen Text darüber?

Wie viele verschiedene Ansichten über den Sinn des Lebens gibt es?
Zu viele.
Wie viele Möglichkeiten sich damit zu beschäftigen?
Zu viele.

Einem Anfänger erscheint es UNMÖGLICH sich mit dem Original zu beschäftigen. Deswegen wird die Durchschnittsmenge, eine Zusammenfassung oder ein Person, die beides verspricht, als Quelle der Information angenommen.
Warum haben wir seit 2000 Jahren unserer Philosophie, seit 4000 Jahren chinesischer und indischer Philosophie noch immer keinen signifikanten Fortschritt in unserem Denken und Handeln gemacht? Der Wunsch nach Weltfrieden, die Erkenntnis das Krieg niemandem nützt ,sind ebenso alt.

Ganz einfach.
Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen muss man selbst nachprüfen. Selbst den Weg gehen aller vorherigen.
Von vorne beginnen, sein eigenes Rad erfinden.
Und das machen eben immer nur wenige.

Wie im Bujutsu. Viele, viele Aufnahmen und Filmchen liegen in meinem Archiv, in denen „Meister“ von anderen „Meistern“ die höchsten Techniken vorgezeigt bekommen.
Die Form wird gesehen, die „Meister“ versuchen es umzusetzen.
Was dabei herauskommt ist gemeinhin bekannt. Etwas das nie funktionieren kann.
Kopfwissen über die Technik macht eben noch keine Technik aus.
Genau solche „Meister“ stehen dann bei mir auf der Matte und können die Grundlagen nicht, weil es auf den Körper und nicht auf  den Kopf ankommt.
Und nur sehr sehr wenige gestehen sich das ein und fangen wieder von vorne an.

Diese Wenigen aber haben begriffen, dass ihr Wissen von früher nicht verloren ist sondern gerade einer eindringlichen Prüfung unterzogen wird.
Das dauert seine Zeit aber im Ende liegt die Meisterschaft.

Meisterschaft definiere ich daher nicht als Maßgabe von Wissen.
(So wie einer derjenigen „Meister“ doch tatsächlich zu Prüfungen im Budo Wissensfragen, wie in der Schule, gefragt hat. )

Nein, Meisterschaft ist das Ende der körperliche Überprüfung fremder geistiger Vorgaben.

Meinen Meister, Toyoshima, zeichnet aus, dass er alles was er von Soke gelernt hat, überprüfte.
An Soke und an seinen besten Schülern. Damit wurde er zum absoluten Meister.

Und als ich zum ersten mal meine Ansichten an ihm nachprüfte merkte ich sofort wie hieb und stichfest alles funktionieren kann.
Eben unter der Prämisse der persönlichen Erfahrung.
Es ist ein Standardsatz eines Meisters, „Der hat gesagt, ich habe überprüft und ….“

Dazu braucht es Zeit, Hingabe und Mut.
Das ist der Grund warum es noch immer nicht mehr Philosophen auf dieser Welt gibt als vor 4000 Jahren.
Du wirst nur Philosoph wenn Du das Rad für Dich selbst von VORNE zu erfinden beginnst.
Einfach gesagt, überprüfe, ob das was Du zu sagen hast wirklich von DIR stammt oder, ob du nachäffst, eine Aussage eines anderen.

Es liegt offensichtlich in der Natur des Menschen einerseits ein Herdentier  und andererseits jemand zu sein, der sein Leben, sein Denken und sein Handeln selbst in die Hand nimmt.

Vergiß den Gedanken dabei etwas Unrechtes, Unethisches zu tun, wenn Du Ikonen, Meister oder Geistesgrößen hinterfrägst.
Das Standardargument ist ja, „Die haben soviel Zeit investiert wie kann ich mich erdreisten das zu hinterfragen?“

Das letzte und eigentliche Problem erscheint auf der Bühne.
Das fehlen des SHUHARI.
So wie es im Großen gilt, behält es seine Gültigkeit auch im Kleinen.

Ich erkläre es anhand eines Beispiels:
Da bin ich nun beim Alten (meine Beschreibung von Soke) und er zeigt mir etwas vor. Alle Fühler sind ausgestreckt, ich werde zum Schwamm.
Ich fahre wieder heim.
Nun beginnt das SHU. Ich versuche ständig über einen langen Zeitraum das Gesehene zu reproduzieren.
Solange bis ich Sicherheit darin gewinne.
Mein Privileg, meine Schüler.
Die „challengen“ mich dauernd, gleich muss ich es unter Beweis stellen.
Das HA hat begonnen.
Jeder Schüler eine andere Herausforderung.
Irgendwann habe ich auch darin Sicherheit, Zeit für das RI.
Ich beginne das Gelernte für mich zu adaptieren, auf mich umzulegen, in mich zu integrieren.
Schließlich bin ich größer, habe einen anderen Körperbau und daher andere Hebelwirkungen und dergleichen.
Und dann, ERST dann bewerte ich.

So geht’s mit allem, wenn man es ernst meint. Dann fallen Fehler in der Benutzung von Excel immer sofort auf.
„Widme Dich einer ständigen andauernden Übung “ hat mal ein Weiser gesagt.
Ich hab’s nun 20 Jahre ausprobiert und meine, er hatte recht.