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Die acht Geheimnisse der Takeda Ryu

Es kommt ja schon sehr gut rüber.

„Acht Geheimnisse“ – huuuuuhhhhh und wenn man lange genug trainiert hat, dann kommt unser Soke, mit großem weißen Käppi und Holzstock setzt sich vor einem hin, öffnet DAS verstaubte Buch und beginnt vorzulesen.
Oder war das eine andere Geschichte? (Die mit den grünen Ohren? ich habs vergessen)

Ich muss gestehen mich hat diese Aussicht schon immer sehr motiviert. Es ist der menschlichen Psyche immanent teil eines Geheimnisses werden zu wollen. Ebenso auch, im Wissen nie daran teilhaben zu dürfen die Existenz solcher Geheimnisse in Abrede zu stellen.

Nun gut.
Es gibt sie, diese Geheimnisse.
Aber wie so oft müssen wir uns fragen, was in einer alten traditionellen Kampfkunst als Geheimnis verstanden wird.
Wie sollen denn diese entstanden sein?
Da trainiert vor 800 Jahren jemand und plötzlich trifft ihn der göttliche Blitz, PENG?
Irgendwo und irgendwann müssen ja diese Geheimnisse angefangen haben.

Wer diese Frage beantwortet hat das Geheimnis um die acht Geheimnisse gelüftet.
Ein Geheimnis in der Takeda Schule, wie auch in allen anderen traditionellen japanischen Kampfkünsten, ist eine tiefgreifende Erkenntnis, eine körperliche Erfahrung.

Wer sein Training der Technik und nicht sich selbst widmet wird unweigerlich tiefgreifende körperliche Erfahrungen machen.
Dieses Erlebnis der tiefgreifenden Erfahrungen wiederholt sich ständig weiter, bis …
Bis es zu einem Ende kommt.
Und da ist es dann, das sogenannte Geheimnis.

Eine körperlich erfahrene Erkenntnis.
Es macht daher gar keinen Sinn anzunehmen, dass auf einem Blatt Papier acht Punkte stehen, welche erklären was zu tun sei.

Man stelle sich das vor!
Anweisungen auf einem Papier zu folgen widerspricht ja jeder Zielsetzung der Takeda Ryu.
Es geht darum zu seinem Wesen zu seinen Stärken zu finden.
Nicht ständig von einer Götze zur nächsten zu wandern.

Wer nach einem Buch, nach einem Programm oder nach einer Liste trainiert bekommt niemals Zugang zu sich selbst.
Ich weiß es ist schwierig zu verstehen.

Natürlich haben wir zu Beginn Struktur und Regeln im Unterricht.
Wir haben die Einteilung in Technikgruppen, wir haben Abfolgen einzuhalten.
– Wir lernen das Alphabet.

Wenn wir dann nicht mehr über jeden Buchstaben nachdenken müssen, dann beginnt langsam die freie Anwendung.
– Wir beginnen zu schreiben.

Wir schreiben sehr sehr lange und viel.
Aber irgendwann hört auch das Schreiben auf.
Am Ende steht dann eine Erkenntnis, das sogenannte Geheimnis.

Es ist nicht sinnvoll einem Anfänger diese Erkenntnisse vorab zu erklären. Er würde diese nicht verstehen.
Und WEIL er diese nicht versteht, klingen sie wie ein Geheimnis.

Es waren und sind daher die Anfänger, die in Geheimnissen denken und nicht die Meister.
Wer darüber nachdenkt wird merken, es war immer schon so.

Wer aber prinzipiell die Existenz solcher Erkenntnisse in Abrede stellt ist meist jemand der in der Mitte des Weges stehen geblieben ist und nach der ersten Erkenntnis meinte den Durchblick zu haben.
Es erinnert mich immer an Hakuin. Zen-Meister im 17 Jhd.

Er führte einen lebenslangen Disput mit allen damals führenden Zen-Meistern.
ALLE bis auf ihn waren der Meinung, dass die Erleuchtung ein Einmal-event sei.
Er bestand darauf, dass nach der ersten körperlichen Erfahrung unbedingt weitergemacht werden müsse, da diese sogenannte „Erleuchtung“ immer nur eine von vielen sei.

Heute fast vierhundert Jahre später wissen wir er hatte Recht und in allen ernst zu nehmenden ZEN Klöstern wird nach der ersten Klärung des Geistes weitergemacht.

Denn das wahre Geheimnis liegt im ständigen weitermachen, aber das wäre dann das Neunte, oder?

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