Es ist beinahe genau 2o Jahre her, als ich Sensei Werhahn-Mees das erste Mal traf.
Damals erzählte sie mir folgende Geschichte.
10 Jahre vorher (vor 30 Jahren also) brachte Sensei Werhahn-Mees alle japanischen Meister zum ersten Mal nach Europa, genauer gesagt nach Belgien.
Wie bei einem Seminar üblich wird vor dem Training aufgewärmt.
Als Sensei Werhahn-Mees in die Hände klatschte, das Zeichen zum Aufwärmen, regte sich nichts.
Gar nichts.
Keiner der Teilnehmer rührte sich.
Sie fragte was los sei und bekam folgende Antwort.
„Die dort drüben sind Wallonen, mit denen trainiere ich nicht. Und überhaupt Sie sind eine Frau, von ihnen lasse ich mir gar nichts sagen.“
Auf der anderen Seite, in diesem Fall auf der flämischen Seite, dieselbe Antwort.
Sensei Werhahn-Mees lies sich nicht unterkriegen und antwortete (vor versammelter Manschaft):
„Wir sind hier weder in Flamen, noch in der Wallonie, noch sonst wo, wir sind hier in Japan. Auf einem japanischen Seminar und Soke Nakamura möchte, daß wir jetzt aufwärmen.“
Das funktionierte.
Das unten gezeigte Video ist genau von diesem Tag. Und keiner der „Meister“, „Männer“ konnte und kann bis heute das, was Sensei Werhahn-Mees damals vorzeigte.
Von den überheblichen Pfiffen ganz zu schweigen, die zu Beginn der Vorführung von den männlichen Individuen kamen. Als ob die jemals abschätzen konnten was da gerade passierte.
Sensei Werhahn-Mees war nicht nur die erste Frau, die Takeda Ryu nach Europa brachte, nicht nur die erste Frau, die in Japan zum Lehrer ausgebildet wurde.
Nein, Sie war auch unter den ersten Frau in Europa, die überhaupt irgend etwas mit Kampfkunst zu tun hatten. Egal welche Schule, egal welche Disziplin.
So fanden die Japaner Europa damals vor.
Überheblich, voller Machos, keine Ahnung von der Materie, Antipathie und Frauenfeindlichkeit.
Kein Wunder das mir Toyoshima sensei schon vor 20 Jahren sagte: „Ich verstehe Europa nicht. Warum ist es so wichtig wer man ist und nicht was man kann?“
Tja Sensei, das werden wir wohl nie erfahren.
Aber egal, Integrität verjährt nicht und wir wenigen, die sich in den Dienst der Sache stellen, die nicht an Macht und Politikspielchen teilnehmen und in der Zwischenzeit üben, arbeiten und schwitzen. Wir werden noch da sein, wenn sich alle anderen selbst zerfleischt haben.
Integrität verjährt nicht und wenn Sie jemand sind, der an sich glaubt, eine Idee hat und diese unbedingt umsetzen möchten, egal was es kostet, dann machen Sie es.
Sie können es, Sie schaffen es, es liegt nur an ihnen.
Sein Sie integer zu sich selbst, zu ihrem Traum und zu denen, die ihnen helfen.
Dann können Sie alles erreichen.
Gampate!

