Jüngst hatte ich das Vergnügen einen wunderbaren Abend in netter Gesellschaft zu verbringen. Ein Anwesender war erst vor kurzem Vater geworden weswegen ihm dieses Thema sehr am Herzen lag. Wie lernen Kinder? Was können wir ihnen wann beibringen?
Viel wurde gesprochen, Theorien aufgestellt.
Eine sehr weit verbreitete ist „Die Kinder sind gescheit genug, man muss ihnen nicht alles vorkauen, sie werden schon selbst draufkommen?“
Es tut mir sehr leid, damit kann ich nichts anfangen.
Selbstverständlich erkläre ich meinem Sohn Dinge, wie sie funktionieren, erkläre die Regeln einer Gemeinschaft, aber ich stelle nicht mein ganzes Sein auf dem Wort ab.
Das hat nicht oberste Priorität.
Vor zu machen ist das Wichtigste.
Die Kinder lernen von unseren Taten. Sie analysieren jeden Schritt, den wir machen und machen diesen nach. Oder zumindest versuchen es.
Und die Kinder machen es so und so!
Egal was ihr veranstaltet, es wird nachgemacht.
Und auch wenn ihr noch so unüberlegt lebt, euer Kind wird es nachmachen.
Darum bleibt euch nichts anders übrig permanent an euch selbst zu arbeiten.
Das Prinzip des „Mitori gekko“, des mit den Augen fassens, ist nicht umsonst das Fundamentalste in den japanischen Kampfkünsten.
In Europa leben rund 500 Mio. Menschen.
In Indien, dort wo es herkommt 1 Milliarde.
In China, wohin es weiter ging 1,4 Milliarden.
Und dann kommen noch die Kleinigkeiten der anderen asiatischen Länder dazu wie Thailand, Vietnam, Kambodscha, Malaysia, Indonesien, Korea, die Philipinen, Korea und eben auch Japan etc.
Und ihr in Europa behandelt das Meditieren noch immer so, als wäre es eine Randerscheinung. Und weil es eine Randerscheinung ist, ist es Spielplatz für die Selbstdarsteller und Unwissenden, die noch nie in einem der Länder waren, um festzustellen, dass es eine Heidenarbeit ist nur irgendeinen Fortschritt zu machen.
Auch gut.
Wichtiger ist aber, dass die Art der Herangehensweise an das Sein, mehr Menschen auf dieser Welt intus haben als wir in der ersten Welt.
Dass diese Tradition älter ist, als die gesamte erste Welt.
Das seit unzähligen Generationen das Wissen um das Sitzen und um Philosophie weiter gegeben wird.
Nein, ich bin nicht so naiv zu meinen dass 3 Milliarden Menschen täglich der Meditation fröhnen. Nein aber den drei Milliarden ist sie als das bekannt was sie tatsächlich ist.
Ein gleichwertiger Weg. Ein Weg, den man wählen kann.
In Europa ist die Meditation nicht gleichgesetzt mit anderen Wegen der Ausbildung.
Wenn ich in Japan Menschen treffe, die in Klöster gehen, oder täglich Shinto Rituale daheim machen, dann schaut die keiner komisch an. Dann gibt es kein Lächeln im Sinne, ahh mein Gott schon wieder ein Selbstdarsteller.
Nein, es ist gesellschaftlich anerkannt und vollkommen normal.
Wie wäre es, wenn die spirituelle Möglichkeit einer Ausbildung auch bei uns ganz normal wäre?
Als ich vor 12 Jahren meine ersten Videos zum Zen veröffentlichte bekam ich Meldungen wie, „das gehört nicht zur Kampfkunst, das gehört nicht nach Europa“ zu hören.
Andere sagten „Jetzt schnappt er komplett über!“ und all diejenigen nannten sich Meister.
Als ich in Deutschland ein Wochenende in einem Zen Kloster verbrachte, suchte ich mir die Übung bei einem Japaner aus. Angeblich DER Superfuzi.
Bei den täglichen Vorträgen begann er jeden Satz mit „Ich …“
Nach drei Tagen bin ich abgefahren.
Auch das gibt es selbstverständlich, wie sind alle nur Menschen.
Aber was wollt ihr?
„Sie werden schon selbst draufkommen.““
Ist das nicht eure Rechtfertigung nicht ständig an euch arbeiten zu müssen, um ja kein Vorbild sein zu müssen?
Ihr habt ja alle keine Zeit, weil ihr soviel um die Ohren habt und euer Leben hart genug ist, um euren Kindern Essen und Heim zu garantieren.
Ja glaubt ihr ich nicht?
10 Minuten. Das ist alles.
Setzt euch mit euren Kindern 10 Minuten täglich hin. Oder einfacher, bietet ihnen die Möglichkeit, dass sie es können. Nur 10 Minuten.
Wir haben im Westen die Kunst des Kochens.
Die Kunst der Sprache.
Die Kunst des Malens, Bildhauens, Zeichnens, Dichtens.
Wir haben die Kunst des Balletts, des Tanzes, des Denkens.
Wir haben die Kunst des Rechnens, des Lesens und des Ackerbaus.
Warum nehmt ihr auch nicht an eurer Nase und übt die Kunst des Lebens?

