ARTE Film – Die Samurai – Liebe, Grausamkeiten und Intrigen
Der tausendste Film über Samurai. Dachte ich mir zuerst.
Dennoch, als würde es von mir verlangt, schaue ich trotzdem.
Und freue mich.
Seit mehr als zwei Jahrzehnten beschäftige ich mich nun mit den Samurai. Studiere, lerne und übe.
Was in diesem Film gezeigt wird ist mir gänzlich bekannt.
Zumal mein Meister in Japan das Lesen von Briefen der Samurai als sein privates Hobby betrachtet.
Wie viele Japaner.
Diese Briefe werden in Buchform veröffentlicht und haben denselben Stellenwert wie Mangas.
Wer sich diesen Film ansieht wird sein Bild vom ehrenhaften Krieger revidieren müssen.
Es wird viele geben, die der dargestellten Information keinen Stellenwert zu billigen.
Dann wird es diese geben, die mit einem Schmunzeln über den grausamen Teil hinwegsehen und nach wie vor an ihrer Heldenvorstellung festhalten.
Mit dem Hintergedanken, es läge schon sehr lange zurück.
Und vielleicht gibt es dann die Wenigen, die wie ich mit Abscheu über diese Unmenschlichkeit erfüllt sind.
Aber warum dann Samuraikunst lernen?
Nun, die Kunst steht, wie jede andere Kunstform, für sich alleine. Der Mensch erst bringt diese zur Blüte oder macht eine Grausamkeit daraus.
Klar sollte aber sein, das Zeitalter des Krieges dauerte 600 Jahre. 600 Jahre war Japan geprägt durch:
Gewinnstreben, Heuchelei, Mord, Intrige, Lieblosigkeit, Angst, Feigheit, Unterwürfigkeit und Egomanie.
Wer es nach oben geschafft hatte musste ein Mörder, Intrigant und Heuchler sein.
Darauf baute die japanische Gesellschaft auf.
Nun man kann einbringen, in Europa war das nicht anders. Das ist vollkommen richtig. Dem stimme ich zu.
Ich habe nur noch niemanden getroffen, der die europäischen Ritter genauso verehrt wie momentan die Samurai in Europa.
Ich habe noch niemanden getroffen, der in seiner Phantasie ein Ritter im Europa des Mittelalter sein wollte.
Auch heute noch liegen die Schlüsselpositionen Japans in der Hand alter Samuraifamilien.
Niemand in Japan leugnet, dass es für jemanden außerhalb der großen Familien unmöglich ist in hohe Staatsämter zu kommen.
Wie wir bei Fukushima sehen können gibt es diese Macht im Dunkeln, die alles lenkt, und das Letzte woran gedacht wird ist das eigene Volk.
Wie zur Zeit der alten Samurai.
Es war ein Spiel über Macht und Herrschaft.
Das Spielfeld war ganz Japan.
Das Volk waren Spielfiguren.
Seit dieser Zeit hat sich nichts daran geändert.
In Japan gibt es zwei Worte:
„TATEMAI“ – Sachen wie Sie anscheinend sind,
„HONNE“ – Sachen wie Sie wirklich sind.
Es liegt an uns Europäern eine andere Sicht auf diese Heldenvorstellung zu bekommen.
Wir haben nun mal keine Samurai in Europa.
Das Wichtige was wir Europäer tun können ist, die japanische Kampfkunst im Ideal zu leben und zu lernen.
Zu lernen um zu beschützen.
Zu lernen um geistig und menschlich zu wachsen.
Zu lernen um Vorbild zu sein.
Zu lernen um menschlich zu sein.
Es ist diese Verbindung mit unserem Humanismus, die alte Künste bewahren kann.
Es scheint fast so, dass unsere Entwicklung das Ying, die Entwicklung in Japan das Yang darstellt und diese nur gemeinsam ein Ganzes bilden können.
Was wären wir für Menschen in Europa, die ebenfalls Jahrhunderte Kriege geführt haben, um sich genau NICHT mehr unterwerfen zu müssen, würden wir diese Errungenschaft einfach aufgeben?
Ein wahrer Künstler ist in erster Linie ein Mensch seiner Umgebung.
Damit können wir eine Kunst in das nächste Jahrtausend retten.
Wie ein altes chinesisches Sprichwort sagt: “ Es wird ein Mensch aus dem Westen sein, der die Kunst bewahrt, während Sie im Osten schon längst untergegangen ist.“
Und dieser Spruch ist über 2000 Jahre alt.




