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… über den Anspruch

Es wundert mich nicht, warum manche Japaner die Ausländer (egal von wo her) mit einiger Abneigung betrachten.

Es geht nicht um das Wiener Schnitzel in Shinjuku, oder das bayrische Bier in Shibuya. Es geht auch nicht darum, dass ein Europäer neu in Japan mit Sicherheit einmal vergisst seine Schuhe auszuziehen. Darüber wird hinweg gesehen. Gesten, Bewegungen und Sitten, welche typisch japanisch sind, werden dem Fremden nicht vorgeworfen.
Zumindest beim ersten Besuch nicht.

Vorweg gesagt, das Kommende trifft nur auf wenige Japaner dafür umso mehr auf viele Europäer zu. (Amerikaner, Afrikaner, Australier, Südamerikaner und Einwohner der Osterinseln kenne ich nicht)
Um uns nicht zu lange mit der Geschichte aufzuhalten.
China führte als Erstes die Kunst des Lebens ein. „Chan“. Zumeist in nobler Klasse ein Zeitvertreib.
Wie immer bei Bekanntwerden, wollen es mehr und mehr Menschen lernen, ist doch der Erfolg sichtbar. (SICHT-bar)
Regeln und Curricula werden eingeführt. Es wird systematisiert.

Eine der wichtigen Schritte darin war, das unter- bzw. einteilen der Kampfkünste, philosophischen Schulen nach Landschaftszugehörigkeit.
Harter Stil, weicher Stil, nördlicher Stil, südlicher Stil.
Wie war es vorher?
Irgendwo erfährt irgendwer in der sprichwörtlichen Höhle eine Erleuchtung, findet sein Sendungsbewusstsein und meint, die Welt wäre ein besser Platz würden alle so etwas erfahren.
Es finden sich zwei drei Jünger und los geht die Reise. Den Rest seines Lebens werden es nicht mehr.
NUR…. er ist nicht der Einzige, der diese Erfahrung gemacht hat.

Über einigen Zeitraum gibt es unzählige Wanderer mit unzähligen Schülern. Wir nennen es „Schulen“.
Das taten die Chinesen nie. Eine Schule bedurfte der Zustimmung des jeweiligen Fürsten.
Alleinige Erkenntnis blieb dieselbe. Alleine.

Es liegt in der Natur der Sache, dass es genauso viele Scharlatane gab, wie es auch heute noch gibt.
Denn, und darum soll es heute gehen, den meisten fehlte der notwendige Anspruch.

Woher es kommt, weiß ich nicht, vielleicht genetisch.
Der Antrieb in einem Selbst nach dem Besten zu suchen. Das Beste zu lernen, um HIER folgt nun der Anspruch, es am Besten zu können.

100 % :
97% begeben sich nie auf die Suche
2% machen sich auf den Weg. Ein innerer Antrieb. Ein Anfang. Sie suchen einen Meister. Finden viele, lernen von jedem und wissen am Schluss viel, aber nichts über sich selbst.
Es fehlt der Anspruch es selbst am Besten zu können.
1% Am Weg. Innerer Antrieb. Glück gehabt. Meister gefunden. NUR über sich gelernt. Nebenbei eine Kunst gelernt, als Vehikel zu sich selbst.
Anspruch der Beste zu sein. Selber Meister.

DAS was viele heute mit Anspruch verwechseln, ist die Suche selbst.
Sie definieren ihre Suche als Anspruch. Ein und dasselbe. Ich mache das weil es mir hilft, dass und das zu bewältigen.
Jede Argumentation mit einem Ich oder mir verbunden ist die Suche und nicht der Anspruch.

Das ist Voraussetzung für dem zu folgenden Anspruch.
Da haben wir nun die Krux. Der Anspruch ist eine Folge.
Keine Voraussetzung.
Was ist aber die Voraussetzung für einen Anspruch?

Wer sein Tun auf den Status einer Kunst erhebt, hat seinen Anspruch definiert.
Kunst zu betreiben bedeutet Kunst zu sein.
Wenn ich in Publikationen, auch von diversen Universitätsprofessoren lese, dass ZEN und die Kampfkunst nichts zwingend miteinander zu tun haben, dann frage ich mich, ob Sie mit meinen Meister und dessen Meister gesprochen haben. Dann frage ich mich hat dieser Professor schon mal Kampfkunst betrieben?
Es ist der fehlende Anspruch und die fehlende Kenntnis Zen und seine Folgen in Japan als Meditation abzutun.
ZEN IST KEINE MEDITATION!
Sich hinzusetzen und die Wand anzustarren heißt ZAZEN (Sitzend-ZEN).
Das alleine impliziert andere Möglichkeiten.
ZEN ist eine Einstellung.
Und diese wird erst schlagend, wenn man versucht sein Tun, jegliches Tun, als Kunstform auszuführen.

Kunst bedeutet wohl die meiste Anstrengung und Aufopferung zu deren ein Mensch fähig ist.
Dieser innere Antrieb, diese ständige Isolation und Einsamkeit im Tun, denn der Weg der Kunst ist ein alleiniger.
Auch eine Cellistin betreibt 8 Stunden täglich ZEN, weil Sie ihr Instrument übt.
Auch ein Maler betreibt ZEN, wenn er ein Bild grundiert.
Auch ein Schriftsteller betreibt ZEN, wenn er tagelang an nur einem EINZIGEN Wort hängt, um darin die richtige Emotion zu vermitteln.

Japan ist ein Land das uns schon alleine deswegen fremd ist, weil wir die Sprache nicht verstehen. Diese zu erlernen ist schwierig und langwierig.
Das ist der Grund warum meist Laien auf dem Gebiet des ZEN und der Kampfkünste Publikationen zu diesem Thema übersetzt haben.
Diese werden nun als Erklärung der Sinnlosigkeit des Zen in den Kampfkünsten herangezogen.
Von Menschen die keinen Zugang nach Japan haben.

Als ich meinen Meister in Japan einmal fragte, was er denn als Profi so den ganzen Tag macht bevor er ins Dojo geht, antwortete er:LESEN
Ich fragte was? Er sagte Aufzeichnungen von Samurai.
Es gibt unendlich viele Aufzeichnungen von Samurai aus alten Zeiten geschrieben an ihre Liebsten bevor Sie in eine Schlacht zogen, oder für längere Zeit versetzt wurden.
Daraus geht die Durchtränkung Japans mit dem ZEN eindeutig hervor.
Natürlich werden von westlichen Gelehrten diese Briefe nie übersetzt, weil zumeist in Alt-japanisch und für die Masse nicht von Nutzen.

Was einem bestimmten Anspruch entspricht.

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