Was Wahrheit an sich ist wird sich wahrscheinlich nie erklären lassen.
Denn Wahrheit kann es immer nur in Zusammenhang mit einer Fragestellung geben.
Und wer einem Weg folgt, alles diesem widmet läuft manchmal Gefahr seine Wahrheit mit Fragestellungen zu versehen, die sonst niemand als wichtig erachtet.
Vor einiger Zeit kam ein Interessierter zu einem Probetraining ins Budo Institut.
Er betrieb schon länger Kampfsport und war deswegen nicht unwissend.
Wie bei jedem Schnuppertraining ging es darum Grundschritte zu erlernen.
Selbstverständlich haben diese nicht gleich auf Anhieb funktioniert.
Doch alles in allem hatte ich den Eindruck der Schüler bemühte sich sehr.
Das Training war vorbei und er verabschiedete sich sehr höflich bevor er das Dojo verließ.
Am nächsten Tag erfuhr ich über einen meiner Schüler dann den Grund warum er nicht ins Budo Institut kommen werde.
„Es sei zu genau, und geistig und körperlich zu anstrengend. Das ist nicht was er in seiner Freizeit machen wolle.“
Mir fiel es wie Schuppen von den Augen.
Was für mich die Grundmotivation des Trainings ausmacht ist für jemand anderes der Grund es bleiben zu lassen!
Ich bedanke mich noch heute sehr für diese ehrliche Antwort von damals.
Es hat mir geholfen besser zu verstehen, warum es eben nicht überall Meister geben kann.
Und es hat mich in meiner Annahme bestärkt, dass es jeder Mensch selbst in der Hand hat Meisterschaft zu erlangen.
Wie ein ZEN-Mönch einmal gesagt hat: „Da möchte jeder ZAZEN betreiben und die Erleuchtung erlangen, aber nachdem die Menschen mitbekommen, wie anstrengend der Weg ist, lassen es 98% bleiben.“
Warum ist das so?
Weil das WISSEN um eine Sache noch niemanden zum Meister macht. Es ist das KÖNNEN.
Es gibt soviele da draußen, die stundenlang über Kampfsport referieren können. Die tolle Bücher schreiben und tolle Filme drehen.
Die einen mit ihren Worten fesseln können.
Die aber keine Ahnung haben WIE man es körperlich umsetzt.
Diese sind Meister des Erzählens. Was ebenfalls eine Kunstform ist.
Und es sind diese Erzähler, die die meisten Anhänger haben. Was nun logisch ist, weil seine Schüler nie Gefahr laufen werden an die persönlichen Grenzen gehen zu müssen.
Das ist das unausgesprochene Versprechen. Es liegt nicht die Kunst im Vordergrund sondern der Spaß.
Das wahrhaftige Training ist immer schwierig. Es wird nie besser.
In China wird das mit dem Besteigen einer Pagode verglichen.
Geht man in den ersten Stock der Pagode und blickt aus dem Fenster dann sieht man vielleicht ein paar Meter im Umkreis.
Je höher man steigt desto mehr sieht man in die Ferne.
Ganz oben, höher als die Bäume selbst sieht man bis zum Horizont.
Was man sieht, stellt das dar, was man noch NICHT kennt.
Da denke ich an das Schnuppertraining zurück und sage mir es gibt manche die gar nicht aufs Dach gehen wollen.
Dann gibt es manche die im zweiten Stock stecken bleiben und meinen Sie seien schon am Dach.
Und dann gibt es diese große Menge, die vor dem Eingang steht und ihre Köpfe in die Höhe reckt und sich wünscht eines Tages am Dach zu stehen. (und dort stehen Sie noch heute)
Man sollte nur darauf achten, dass seine persönlichen Ansprüche auch dem Stockwerk entsprechen auf dem man steht.
Weil WISSEN bringt mich nicht einen Stock höher.
Nur FÜHLEN und damit KÖNNEN.

